Schloss Molsdorf                                                     Bildergalerie 

Wasserburg aus dem 16. Jahrhundert; Umwandlung in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum repräsentativen barocken Wohnschloß nach Entwürfen von Gottfried Heinrich Krohne (geb. 26. März 1703 in Dresden, gest. 30. Mai 1756); reich verzierte Südfassade; neun Hektar großer Park.

Die Ausführung der von Krohne entworfenen Stuckaturen der Innenräume wird Johann Baptist Pedrozzi (1710-1778) zugeschrieben.

Bauherr war der preußische Diplomat und Lebemann Gustav Adolph Graf von Gotter (1692-1762), dessen Geist, Witz und künstlerischen Geschmack das Schloß noch heute ausstrahlt. "Vive la joie" (Es lebe die Freude) war Gotters Lieblingsmotto. Die Freude währte allerdings nicht lange. Schon 1748 musste er das 1733 erworbene und in den Folgejahren mit großem Aufwand umgebaute Schloß verkaufen, das nach 15 glanzvollen Jahren erneut zur Bedeutungslosigkeit verkam. (Quelle:Faltblatt Schloss Molsdorf)

 

Gustav Adolph Graf von Gotter

 

Der Graf Gotter gehörte zu den hervorragenden Gestalten des vorigen Jahrhunderts. Er war unzweifelhaft einer der liebenswürdigsten und galantesten Männer, welche damals gelebt haben, und wenn auch unter den Lebenden niemand ist, der seine schöne Gestalt mit Augen geschaut hat, so ist doch sein Andenken durch vielfältige mündliche und schriftliche Überlieferung den Einwohnern der Gegend, in welcher er lebte, bis heute lebendig geblieben.

Selten hat Fortuna einen Liebling glänzender und reicher mit ihren edelsten Gaben ausgestattet als diesen bürgerlichen Emporkömmling. (Quelle: Graf G.A.von Gotter Ein Lebensbild aus der Zeit Friedrichs des Großen und Maria Theresia`s, bearbeitet von Dr. August Beck 1867, Auszug)

 

Gustav Adolph Graf von Gotter

Leben in galanter Zeit

von Kurt Krüger

 

Meine Buchempfehlung für Sie – ein kleines Buch mit 61 Seiten, welches einen lebendigen Einblick in das Leben des Reichsgrafen gibt.

Für manche heute, ein Graf wie so viele andere im 18. Jahrhundert auch, aber dennoch ein bedeutender Mann seiner Zeit.

 

Hier nun einige Auszüge die ich persönlich sehr interessant und wissenswert finde.

 

Gotters Wiege stand in Gotha

 

Es waren unruhige Zeiten, in die Gustav Adolph Gotter am 26. März 1692 geboren wurde. Seine Wiege stand in Gotha, wo schon seine Vorfahren lebten und dort mit einflussreichen Familien verwandt oder verschwägert waren. Der Dreißigjährige Krieg hatte zwei Generationen zuvor geändet. Doch immer wieder erschütterten neue Händel das leidgeprüfte Europa. Vor allem Frankreich bestrebt, die errungene Vormachtstellung auszuweiten. Eben erst, mitten im Frieden, war Straßburg besetzt worden. In der Pfalz legten französische Truppen Schlösser, Städte und Dörfer in Schutt und Asche. Einer großen Koalition europäischer Staaten gelang es schließlich, den Machtgelüsten des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Einhalt zu gebieten. Kaum vergessen war auch die Schreckenskunde, daß osmanische Heere nach Österreich vorgestoßen waren und Wien belagert hatten. Nach heldenhafter Verteidigung war es 1683 gelungen, die Stadt zu befreien. Nun konnte sich die Streitmacht der Habsburger Monarchie zum Gegenangriff sammeln, und auf den Schlachtfeldern des Balkans erhob sich strahlend der Kriegsruhm des Prinzen Eugen von Savoyen.

                                                                                                     

 

Barock - Wien - Graf von Gotter

 

Aus zeitgenössischen Bildern und Berichten lässt sich erkennen, wie sich Wien dem jungen Gotter darbot. Die Stadt war von einem Festungsgürtel umgeben und von den Vorstädten durch ein breites Glacis getrennt. Wo vor mehr als 300 Jahren die Wälle dem Ansturm der Türken trotzten, zieht sich heute der Ring mit seinen prächtigen Bauwerken um den alten Stadtkern. Nach der Belagerung durch die Türken waren jenseits der Mauern Paläste begüterter Familien emporgewachsen. Zu ihnen gehörte das Belvedere des Prinzen Eugen von Savoyen in mitten kunstvoll angelegter Gärten. Gotter, der zum engeren Freundeskreis des alternden Prinzen gehörte, wird in den Laubgängen oft gelustwandelt sein und zwischen Wasserspielen und steinernen Bildwerken manche Anregung empfangen haben, die er später in Molsdorf verwirklichte.

 

Gotters gewinnende Art

 

Gotter war dreiundzwanzig Jahre alt, als er in Wien ankam. Er trotzte vor Kraft und Tatendrang. Alle Berichte preisen seine Wohlgestalt und sein gewinnendes Wesen. So schrieb Graf Manteuffel dem sächsischen Minister Brühl: „Gotter hat entschieden viele natürliche Anlagen, Verstand und Gewandtheit, er ist ehrlich, offenen Herzens, edelmütig, dienstfertig, Freund seiner Freunde.“ Formey, der Sekretär der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften, äußerte später über die Wiener Zeit: „Die Verfassung des Herr von Gotter in den Jahren, von denen wir reden, war ein außerordentlich heiterer Anblick.“ Ins Schwärmen aber geriet Ludwig Storch, wenn er beim Betrachten des Gemäldes von Kupetzky ausrief: “Wir begreifen, daß dieser schöne kräftige Mann mit den braunen Teint und dem braunen Haare, mit diesen flammenden, heiteren lachenden, geistreichen Augen, mit diesem üppigen geschwellten Munde der Liebling aller liebesbedürftigen Frauen sein mußte.“

 

Wenn auch von Gotters Auftreten in Wien nur wenige Nachrichten vorliegen, so bestätigen diese doch seinen im Lauf der Jahre gestiegenen Erfolg. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass Gotter mehr als zwanzig Jahre in Wien weilte und er sicher nicht von Anfang an über die guten Beziehungen verfügte, die man ihm nachsagte. Er war einer der weniger bedeutenden Diplomaten in der Reihe der auswärtigen Vertreter am Kaiserhof. So ist es irreführend, wenn August Beck die Freundschaft Gotters zum Prinzen Eugen und dem päpstlichen Nuntius Passionei an den Beginn seiner Biographie stellt und sie nicht zeitlich einordnet. Die Beziehungen zum Prinzen Eugen begannen spät; die zu Passionei kann nicht vor 1731 aufgenommen worden sein, da dieser erst damals zum Vertreter des Heiligen Stuhls am Kaiserhof berufen wurde.

 

Die zeitgenössischen Berichte sind sich einig, dass es ohne Protektion kaum gelang, in die einflussreichen Kreise am Kaiserhof vorzudringen. Ein Adelstitel, der die Herkunft aus einer alten Familie und eine wohlgefüllte Geldbörse waren die Kriterien, an denen man einen Neuankömmling maß. Der preußische Baron von Pöllnitz, ein weit gereister Memoirenschreiber und geistreicher Spötter, wurde von den Betroffenen heftig kritisiert, weil er die Arroganz des Wiener Adels treffend schilderte. Er schrieb, dass es in allen Erbländern des Kaisers ein Tick des österreichischen Adels sei, den Titel “Graf“ verliehen zu bekommen. Die Edelleute kauften und betrachteten ihn als ein großes Gut.

Mit Hilfe der glücklich zustande gekommenen Bekanntschaften und als Mitglied des diplomatischen Korps gelang es Gotter schnell, fruchtbringende Beziehungen zu knüpfen. Seine gewinnende Art und ein glänzendes Verhandlungsgeschick trugen wesentlich dazu bei, die Amtsgeschäfte zum Erfolg zu führen. Mit Hinweis auf Zeugen aus den Wiener Jahren schrieb Fromey später: „Ohne sich Kunstgriffen und Ränken zu bedienen, ohne sich zu kriechenden Niedrigkeiten eines Klienten herabzulassen, behandelte er selbst zu einer Zeit, wo man ihn bloß mit Ergötzlichkeiten beschäftigt und ganz dem Vergnügen überlassen zu sein glaubte, die allerschwierigsten Geschäfte mit der größten Geschicklichkeit… Der Herr von Gotter hatte die Eigenschaft, welche vorzüglich vor jedweder anderen die Herzen gewinnt: Er war höflich und außerordentlich dienstfertig. Sich an ihn zu wenden, ihm um etwas zu bitten und alsogleich den Erfolg hiervon zu sehen, war bei ihm gewöhnlich… eine und die nämliche Sache.“ 

 

Gotter wird Legationssekretär und herzoglicher Rat

 

Nach seinem Dienstantritt in Wien half Gotter zunächst seinem Vater, verschiedene Rechtsstreitigkeiten zu einem guten Ausgang zu führen. Durch persönliche Bekanntschaften mit den maßgebenden Beamten des Kaiserhofes lösten sich viele diplomatische Knoten wie von selbst. Bereits 1716 dankte ihm sein Landesherr den Erfolg mit der Ernennung zum Legationssekretär und 1717 mit der alleinigen Betreuung der gothaischen Geschäfte am Kaiserhof. 1720 wurde Gotter herzoglicher Rat und außerordentlicher Gesandter. Als solcher entfaltete er im Sinne seines prachtliebenden Herzogs einen kaum zu überbietenden Prunk. Sein Haus war eines der glänzendsten von Wien. Seine Gastereien waren berühmt wegen der feinen Speisen und der erlesenen Weine. Besonders letztere galten als die besten der Hauptstadt und durften bald bei keiner Tafel fehlen. ( Zum Thema Speisen  KLICK hier )

 

Die Tafel bei Graf Gotter in Wien, so könnte sie event. auch ausgesehen haben.

(Quelle: Ridicule - Von der Lächerlichkeit des Scheins... Film 1996)

Zum Film KLICK hier

 

Gotter war geschäftstüchtig genug, aus dem guten Ruf seiner Weine klingende Münze zu ziehen. Er scheute sich nicht, mit ihnen zu handeln und seine Freunde und Bekannten zu beliefern. Ludwig Storch, seinem Biographen, waren diese Geschäfte allerdings nur vom Hörensagen bekannt. Sie waren ihm durch die Familientradition überliefert worden. Da er in einer Zeit mit strengeren Ehrbegriffen lebte, erschien ihm dieser Handel als von „seltsamer Natur“. So seltsam war er in Gotters Zeiten allerdings nicht. Aus dem Briefwechsel des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. mit dem österreichischen Gesandten von Seckendorff geht hervor, dass derartige Vermittlungen damals gang und gäbe waren. Gotter hat sich denn auch nicht gescheut, den Handel mit Weinen freimütig zuzugeben. Als ihn die Kammer in Gotha einmal aufforderte, seine hohen Ausgaben zu rechtfertigen, führte er an, dass er eine ansehnliche Summe aus eigener Tasche zugelegt habe, und zwar „was ihm von verschiedenen Höfen verehrt worden, und was er sonst durch Bemühungen und durch den vorteilhaften Weinhandel erworben“. Es muss jedoch bezweifelt werden, dass Gotter seinen Lebensunterhalt hauptsächlich aus diesem „ausgedehnten Weinhandel“ bestritt, wie es in einer Darstellung aus dem Jahre 1964 zu lesen steht.

Das luxuriöse Leben in Wien begründete Gotters Ruf als Feinschmecker und Lebemann, der ihm bis an sein Ende vorausging. Als Folge der Völlerein stellten sich gesundheitliche Schäden ein. Im Januar 1721 musste er zur Ader gelassen werden und sich einer Kur für die Brust unterziehen. Die dadurch erwachsnen Arztkosten erwähnte er, als er der Kammer in Gotha seine hohen Ausgaben begründete.

 

Gotters Leben

 

Im Jahre 1717 bezog Gotter aus Gotha ein Monatsgehalt von 300 Gulden, nach heutigem Geld etwa 6000 Mark. Hiervon mussten alle Ausgaben für ihn selbst und sein Personal bestritten werden. Das reicht natürlich nicht aus, um Gotters aufwendigen Lebensstil zu gewährleisten. Um seine finanziellen Verhältnisse persönlich regeln zu können, bat er Herzog Friedrich II., nach Gotha reisen zu dürfen. Im Juni 1721 legte Gotter in einer ausführlichen Aufstellung dar, dass er für seine Ausgaben unbedingt wöchentlich 100 Gulden benötigte. Diese Summe wurde vom Herzog rückwirkend ab 1717 und für die Zukunft bewilligt, wobei außergewöhnliche Aufträge und Auslagen besonders erstattet werden sollten.

Es ist aufschlussreich zu lesen, wofür das Geld verwendet werden sollte. Gotter hatte nichts vergessen, angefangen bei den Kosten für die Bewirtung von Reichhofräten und auswärtigen Gesandten, über Kleidung, Perücken und feine Wäsche für verschiedene Anlässe bis hin zu täglichen Almosen und häufigen Gevatterschaften sowohl bei den Vornehmen wie bei deren Bedienten.

 

Gotters übertriebenes Selbstbewusstsein

 

Gotter hatte ein ausgeprägtes, wenn nicht übertriebenes Selbstbewusstsein. Seine Rechte verteidigte er mit allem Nachdruck. Als ihn einmal die Gothaer Landesregierung aufforderte, sich vor ihr persönlich zu verantworten, lehnt er dies entschieden ab. Solange ein Gesandter sich nicht wegen eines Verbrechens als unwürdig erweise, erkenne er über sich niemanden an als Gott und seinen Souverän. Es käme nicht darauf an, was unerfahrene Leute in solchen Dingen für eine Meinung hätten. Diplomatische dinge könnten nicht mit der Feder oder auf Universitäten entschieden werden. Für sie gälten keine anderen Normen als der Gebrauch, die Erfahrung, das Zeremoniell und das Völkerrecht.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Gotha nahm Gotter wieder seine Geschäfte in Wien auf. Sie betrafen vor allem die Betrügereien eines Dessauer Hoffaktors und die Missheirat des Herzogs Anton Ulrich von Sachsen-Meiningen. Aus seiner Ehe mit einer bürgerlichen Hauptmannstochter waren zwei Söhne und drei Töchter hervorgegangen und von Kaiser Karl VI. in den Reichsfürstenstand erhoben worden. Dieser Standeserhebung widersprachen die übrigen sächsischen Fürsten aufs heftigste. Sie wurde später, vor allem durch Gotters Einsatz, wieder geändert und schließlich ganz aufgehoben. Im Grunde waren es recht unwichtige Dinge, mit denen sich der gothaische Gesandte zu befassen hatte.

1723 wurde Gotter zum Hofrat befördert. Im gleichen Jahr besucht er Prag. Allem Anschein nach nahm er an einer Reise Kaiser Karl VI. teil, der sich dort mit großem Gepränge zum König vom Böhmen krönen ließ. Gotter wurde bei dieser und anderen Gelegenheiten mit dem Kaiser näher bekannt. Dieser erhob ihn und seine ehelichen Nachkommen „zu Ehren des Herzogs von Gotha und in Ansehung seiner Vernunft und Geschicklichkeit, auch sowol seiner Vorältern und Ältern, als seiner selbst eigenen und dem heiligen römischen Reiche treu geleisteter Dienste halber“ mit Diplom vom 6.8.1724 und dem Prädikat „Wohlgeboren“ zum Reichsfreiherrn. Die Ernennung wurde Herzog Friedrich II. am 17.1.1725 angezeigt. Dieser ernannte Gotter im gleichen Jahr zum Legationsrat und erhöhte sein Gehalt.

 

 

Wegen seines Verhandlungsgeschicks und seine Beredsamkeit fand Gotter allgemeine Beachtung. Seine Dröhnende Stimme brachte ihm den Beinamen “le Jupiter foudroyant“ (der donnernde Jupiter) ein. Im Verzeichnis der auswärtigen Gesandten von 1732 erschien er nicht nur als außerordentlicher Gesandter von Sachsen-Gotha, sondern auch als akkreditierter Vertreter von Brandenburg-Bayreuth. Im Jahre 1727 überbrachte ihm eine Stafette den Alexander-Niewski-Orden, den ihm der zwölfjährige Zar Peter II. von Russland verliehen hatte. Es ist nicht bekannt, welche Dienste damit belohnt werden sollten. Ob sie so wichtig waren, wie bisher angenommen wurde, sei dahingestellt. Schließlich war Gotter mit dem russischen Gesandten am Wiener Hof gut bekannt. Dieser hatte ihn auf seine Kosten zu einer Reise nach Venedig eingeladen. Vielleicht bedurfte es nur einer gut aufgesetzten Empfehlung, um die Ratgeber des minderjährigen russischen Monarchen zu der Ordensverleihung zu bewegen.

Ein Jahr zuvor hatte Gotter den fortdauernden Festen und Vergnügungen erneut Tribut zollen müssen. Ende Mai 1726 unterzog er sich in Karlsbad einer Brunnen- und Badekur. Herzog Friedrich II. erteilte dazu die Erlaubnis, erwartete aber, dass er zuvor verschiedene Sachen erledigte, damit „“nicht durch die Machinationen des Gegners etwas Nachteiliges erschlichen werde“.       

"Graf Gotter in späteren Lebensjahren"

Ölgemälde von Johann Samuel Beck / Schloss Molsdorf

 

Neider in Wien

 

Natürlich hatte Gotter in Wien nicht nur Bewunderung, sondern auch Neid erweckt. Formey erwähnt einen Versuch, Gotter beim Prinzen Eugen in Misskredit zu bringen. Man wunderte sich über seinen außerordentlichen Aufwand, die Kostbarkeit seiner Tafel und die Pracht seines Aufzugs. Man bezweifelte, ob er sich bei so vielen Äußerlichkeiten überhaupt mit wichtigeren Dingen befassen könne. Der Prinz schwieg lange. Schließlich sagte er: “Es ist wahr, der Baron von Gotter macht einen großen Aufwand; ich weiß, er hat eine treffliche Tafel, man speiset sehr gut bei ihm; man trinkt noch besser, ich weiß aber auch auf das gewisseste, daß er in seinen Geschäften nicht das geringste verabsäumt.“

 

Sein Leibessen: grüne Erbsen

 

Gotter war eine Vollblutnatur. Er war von rastlosem Tätigkeitsdrang erfüllt und schonte seine Kräfte nicht. Es nicht zu bezweifeln, dass er zu gleicher Zeit genießen und sich daneben seinen Dienstgeschäften widmen konnte. Zu welchen Überspanntheiten er fähig war, schildert eine Anekdote aus jener Zeit. Zu seinen Gastereien mussten die feinsten und seltensten Gerichte herbeigeschafft werden, koste es, was es wolle. So wurde erzählt, er habe zu einem Festmahle in ungünstiger Jahreszeit sein Leibessen, grüne Erbsen, bestellt und für jede einzelne von ihnen einen Groschen bezahlt. Wenn man bedenkt, was später Friedrich der Große in einer Epistel über Gotter schrieb, ist diese Anekdote durchaus glaubhaft.

 

Gotter fährt im Paradewagen vor

 

Der Reichstag hatte seit 1663 seinen ständigen Sitz in Regensburg. Zwischen 1714 und 1724 umfasste der Reichstag 47 Gesandte der Kurfürsten, der Fürsten und der Reichsstände. Das Verhältnis der Gesandten untereinander war bestimmt von dem Bestreben ihrer Landesherren, einander an Macht und Rang zu übertreffen. Das führte zu oft grotesken Auseinandersetzungen über das Zeremoniell. So weigerten sich einmal die kurfürstlichen Gesandten, bei einem Festmahl zwischen den anderen Gästen Platz zu nehmen, weil sie befürchteten, damit dem Ansehen ihrer Herrscher zu schaden. Man blieb also stehen und nahm so das Konfekt und die Liköre ein. In einem anderen Fall währe es fast zu einem Eklat gekommen, weil fürstliche Gesandte gewagt hatten, sich auf die Kirchenstühle ihrer kurfürstlichen Kollegen zu setzen.

Gotter hatte dem erlauchten Verband zwei Jahre angehört. Seine Tätigkeit bestand vor allem darin zu repräsentieren. Bei seinen dortigen Standesgenossen scheint er beliebt und angesehen gewesen zu sein. Das bezeugt unter anderem die Tatsache, das ihm ranghöhere Gesandte, als er krank war, zuerst ihre Antrittsbesuche abstatteten. Interessant und für das diplomatische Gehabe jener Zeit charakteristisch ist Gotters eigene Schilderung von seinem Besuch beim Vertreter des Kaisers, dem Prinzipialkommissar Grafen vom Stahremberg. Zur vorher abgesprochenen Stunde ließ sich Gotter in einem reich vergoldeten, mit Stoffrüschen besetzten Paradewagen, den man eigens zu diesem Zweck aus Berlin herangeschafft hatte, zum Grafen von Stahremberg fahren. Das Gefährt war mit sechs braunen, italienischen Hengsten bespannt, deren Geschirre aus rotem Saffianleder gefertigt und mit goldenen Beschlägen verziert waren. Vor und neben dem Wagen gingen Lakaien, Heiducken und Pagen, deren in Rot, Grün und Silber gehaltene Bekleidung trefflich zu den grünseidenen Leitseilen der Pferde passte.

Graf von Stahremberg empfing Gotter in seinem Audienzzimmer, wo unter einem Baldachin zwei Lehnsessel gegenübergestellt waren. Dort rückte ein Kavalier Gotter den Stuhl und zog sich danach zurück. Gotter überreichte nun das herzogliche Beglaubigungsschreiben und hielt eine Rede. Stahremberg erwiderte „mit vielen respectablen Ausdrücken“ und gratulierte Gotter wegen der in seiner Person getroffenen glücklichen Auswahl. …  

  

Gotters Umsicht verhinderte Zwischenfall

 

Im Jahre 1760 reiste Gotter mehrmals nach Magdeburg. Unter dem Datum vom 21. September berichtete Lehnsdorff: „Es währe uns jetzt beinahe sehr schlimm ergangen. Die österreichischen Herren Offiziere waren immer über alle Kriegsereignisse früher unterrichtet als wir. Das veranlasste eine Untersuchung über die Herkunft dieser Nachrichten. Graf Gotter beschloss, sämtliche Briefe der Kaufleute öffnen zu lassen, um zu sehen, ob solche für die Offiziere darin eingeschlossen seien.“ Man fand wirklich in einem Brief ein Stück weißes Papier, auf dem mit Milch sämtliche Einzelheiten aus der Festung vermerkt waren. Als man bei dem betreffenden Offizier eine Haussuchung durchführte, wurde eine Menge geladener Gewehre und auch Raketen gefunden. Die Sache hatte großes Aufsehen erregt. Aus Berlin erfuhr man, dass der ganze Hof hätte ausgehoben und nach Wien gebracht werden sollen. Durch Gotters Umsicht war es also gelungen, einen schwerwiegenden Zwischenfall zu vermeiden.

 

 

Weitere Informationen siehe:  

- Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

- Wikipedia: Schloss Molsdorf

  

Bildergalerie

 


Schloss Werneck / Residenz Würzburg / Kloster Ebrach /

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