Schloss Werneck                                                        Bildergalerie

Werneck, neben Veitshöchheim eine der beiden Sommerresidenzen der Würzburger Fürstbischöfe, ist an einem Knie des Wernflüßchens zwischen Würzburg und Schweinfurt gelegen. Die erste Urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte im 11.Jahrhundert. Hier möchte ich das Augenmerk hauptsächlich auf das 18.Jahrhundert beschränken.

Das heutige Schloß wurde von Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn (1729-1746) durch Balthasar Neumann in den Jahren 1733 bis 1745 erbaut. Gerade ein halbes Jahrhundert diente Werneck den Würzburger Fürstbischöfen als Sommerresidenz, die nach Georg Dehio "die Verbindung einer fürstlichen maison de plaisance mit den Baulichkeiten eines Hofgutes zu einer großzügigen Komposition" darstellte. Am 29. November 1802 entließ der letzte Fürstbischof von Würzburg, Georg Karl von Fechenbach, in Werneck seine Untertanen aus ihrer Treueverpflichtung und empfahl sie gleichzeitig dem neuen Landesherren Kurfürst Maximilian von Bayern. 9 Monate später, am 3. September 1803, war mit der Abdankung des Fürstbischofs, ebenfalls in Werneck, das Schicksal des Hochstiftes Würzburg entgültig besiegelt. Während der Regierungszeit des Großherzogs Ferdinand von Toskana diente Werneck zwischen 1806 und 1814 noch einmal als Sommerschloß. Wie in der Würzburger Residenz ließ der neue Regent auch in Werneck durch seinen "Baudirecteur" Nicolas de Salins des Montfort die Haupträume im  Geschmack der "Toskana-Zeit" umgestalten.

1853  nachhaltigen Veränderungen am Schloß, Umbau zum Bezirkskrankenhaus, Anpassung der Räumlichkeiten im Innern denen vor allem das barocke Treppenhaus geopfert wurde.

1855 1. Oktober, Eröffnung der Heil und Pflegeanstalt, erster Direktor Dr. Bernhard von Gudden (spielte eine wesentliche Rolle bei der Absetzung König Ludwigs II. von Bayern).

Heute beherbergt das Schloß ein Krankenhaus mit verschiedenen Fachrichtungen.

Schloßgelände, Vestibül und Garten sind für die Öffentlichkeit zugänglich.

Nun ein paar interressante Details zur Baugeschichte: Bald nach seiner Huldigungsreise durch das Hochstift Würzburg, die ihn im Juli 1731 nach Werneck geführt hatte, kam Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn zu dem Entschluss, sich in Werneck eine Sommerresidenz zu bauen, von der er sich versprach, "daß daselbsten ein bequäme und angenehme Gelegenheit sein werde in denen beschwerlichen Regierungsgeschäften sich zuweilen eine vergnügliche Erleichterung zu verschaffen und das Gemüht bei frischer Luft und zur Gesundheit dienlicher Bewegung ergötzen zu können". Bereits am 2. September 1731 sandte Balthasar Neumann, der Erbauer der Würzburger Residenz, einen ersten Vorentwurf des Schlosses an den Landesherren. Es folgten zwei Jahre intensiver Planungsarbeit, und am 20. Juni 1733 konnte Neumann seine Unterschrift unter den fertigen "Plan und Haupt Ries" von Schloß und Garten in Werneck setzen. Der Fürstbischof, der als Reichsvizekanzler bis zu seiner Resignation 1734 noch in Wien residierte, und sein Wiener Architeckt Johann Lukas von Hildebrandt, der für Schönborn bereits Schloss Göllersdorf erbaut hatte, berieten und korrigierten Neumanns Pläne. Nach heftigem Ringen mußte Neumann auf seine Idee, die Eckpavillons zum Garten hin abzuschrägen und die dort vorgesehenen Fenster auf die Diagonalallee des Gartens auszurichten, verzichten. Dafür wurden diese Pavillons und das mittlere Corps de logis um eine Fensterachse vor die Flügelbauten gerückt und damit in ihrer baukörperlichen Erscheinung stärker betont. Zum Vorteil der Erscheinung des Ehrenhofs gab Neumann später auch den turmbekrönten Quertrakt, der den Ehrenhof in stumpfen Winkel vom "teatro" des Vorhofes abgegrenzt hätte, auf. Statt dessen wurden 1740 die beiden Türme an der Nahtstelle zwischen Ehrenhof und Vorhof in die Planung eingefügt. Am 29. März 1734 wurde mit dem Bau des Schlosses im Bereich des südwestlichen Pavillons begonnen, obwohl die Planung noch nicht vollständig abgeschlossen war. Nach zunächst zögerndem Baufortschritt konnte im Frühjahr 1735 der gesamte Grundriß abgesteckt und mit den Fundamenten begonnen werden. Im Herbst 1736 waren der rechte Flügel und die rechte Hälfte des Corpe de logis bereits unter Dach. 1737 wurden die Wirtschaftsgebäude zur rechten Seite des Vorhofes erstellt. Im Jahr 1738 konnte der Fürstbischof ein provisorisch hergerichtetes Appartement im rechte Flügel beziehen. Ende 1739 endlich kam das gesamte Corps de logis unter Dach.

1740  westlicher Turm fundamentiert, Wirtschaftsgebäude links der Einfahrt begonnen.

1741 beginn der Arbeiten am Kirchenpavillion Nordost-Ecke.

Danach trieb Neumann vor allem die Arbeiten an der Innenausstattung voran.

1744 Aufrichtung der Orgelempore in der Schloßkapelle, Vollendung der beiden Türme im Rohbau.

Im Jahr 1745 schließlich war das Wernecker Schloß vollendet, und am 29. August konnte Friedrich Karl von Schönborn die Feierliche Weihe der Schloßkapelle vornehmen.

Die Gartenfassade hat eine Länge von 78 Metern, und jeder der beiden im rechten Winkel anstoßenden Flügel mißt 65 Meter.

Über eine steinerne Brücke gelangt man vor das große, kunstvoll geschmiedete Hauptportal. Das Gittertor ist eine Schöpfung des Würzburger Hofschlossers Johann Georg Oegg in phantasievollen Formen des Rokoko. Ursprünglich gehörte das Portal zur Würzburger Residenz und gelangte erst im 19. Jahrhundert nach Werneck. 1777 sollte Anton Oegg, der Sohn des Johann Georg Oegg, ein "Mittelgattertor" mit zwei Seitenstücken für Werneck schmieden, das aber nicht zur Ausführung gekommen ist.

Bedeutung: Eine Würdigung Wernecks im heutigen, seiner bedeutenden Austattung weitgehend beraubten Zustand hat in erster Linie von der Architektur auszugehen. Trotz seiner romantischen Grundeinstellung ist Gustav von Heeringen noch zuzustimmen, der angesichts des Schlosses Werneck im Jahr 1840 von Friedrich Karl von Schönborn der Meinung war, daß dieser "ein Zauberer gewesen sein muß, der es verstand, die herrlichsten Residenzen aus der Erde steigen zu lassen ..." Wegen der besonderen Hochschätzung der Architektur steht die Frage nach dem Architekten, dem "spiritus rector", im Brennpunkt des kunsthistorischen Interesses.

Sicher werden Johann Lukas von Hildebrandt wichtige Eingriffe in Neumanns Planung verdankt (zu nennen ist etwa die stärkere Betonung der Pavillons der Gartenfassade bei gleichzeitigem Verzicht auf die Diagonalfenster der beiden Eckpavillons), ja Hildebrandts dekorativer Architekturstil hat sich deutlich in vielen Einzelformen, wie z.B. den Fensterbekrönungen und besonders dem Schmuckgiebel der Gartenfassade, niedergeschlagen. Im Ganzen aber bleibt Werneck doch ein Werk Balthasar Neumanns. Wie bei der Würzburger Residenz war es Neumanns synkretistische Begabung, die es verstanden hat, die verschiedenen Anregungen und Einflüsse zu einem architektonisch und künstlerisch schlüssigen Bauwerk zu verschmelzen.

(Quelle: Schloss Werneck, Verlag Schnell, Kunstführer Nr. 1422, Seite 3,4)

                                                                                                                                                                                   

 

Das untergegangene Treppenhaus

 

Als Sommerresidenz eines regierenden Fürstbischofs besaß Werneck auch ein repräsentatives Treppenhaus. Die Treppe verband im Barock nicht nur die verschiedenen Geschosse, sondern war auch Ort höfischen Zeremoniells. Bei offiziellen Anlässen bedurfte es häufig viel diplomatischer Geschicklichkeit,

bis entschieden war, wie weit beispielsweise der Hausherr seinem Gast auf der Treppe entgegengehen muste. Deshalb spielte in Werneck die richtige Anlage und angemessene Ausstattung der Treppe ebenfalls eine wichtige Rolle im Bauprogramm. Hier trafen sich wieder die besonderen Begabungen der verschiedenen am Bau Beteiligten: Während Balthasar Neumann die räumliche Disposition bestimmt haben dürfte, setzte sich Lukas von Hildebrandt in Fragen der Dekoration durch.

Bevor dieses Treppenhaus in der Mitte des letzten Jahrhunderts abgebrochen wurde, befand es sich nordwestlich des Vestibüls, gleich rechts vom Eingang. Einem breiten, vorplatzartigen Gang schloß sich nach Süden eine dreiläufige Treppe mit zwei quadratischen Umkehrpodesten um ein rechteckiges Treppenauge an. Von Norden her erhielt die Treppe direktes Licht durch die Fenster des Corps de Logis zum Ehrenhof hin.

Dem Rang eines Sommerschlosses entsprechend war die Dekoration relativ sparsam und äußerte sich vor allem an den Hermenpilastern im Hauptgeschoß. Nur diese Hermenpilaster haben die Veränderungen des letzten Jahrhunderts überdauert und "zieren" heute Behandlungs- und Sanitärräume. Historische Pläne und Beschreibungen erlauben jedoch immerhin eine Rekonstruktion des untergegangenen Treppenhauses im Modell (Siehe beide Bilder oben / Bitte anklicken).

(Quelle: Beschreibung und Modell aus Schaukasten im Vestibül im Schloss Werneck)

 

 

Schlosskapelle "Hl. Schutzengel"

 

Die Schloßkapelle ist ein Juwel unter Balthasar Neumanns Kirchenbauten. Seit der jüngsten Restaurierung von 2006 präsentiert sich das Innere wieder in originalem Zustand.

Das Gotteshaus nimmt den nordöstlichen Pavillon in ganzer Höhe ein. Es ist der einzige Raum, der einschließlich seiner Ausstattung aus fürstbischöflicher Zeit erhalten geblieben ist. Der Rohbau war 1744 abgeschlossen. Die reichen Stuckarbeiten mit den zahlreichen Engelsköpfen schuf der Würzburger Hofstukkator Antonio Giuseppe Bossi. Vom gleichen Künstler stammt das Retabel des Hauptaltars aus dem Jahr 1751. Die weitere Innenausstattung entstand erst unter Materno Bossi dreißig Jahre später. Das Hauptaltarbild des Würzburger Hofmalers Oswald Onghers (1628-1706) stellt die Stiftung des Portiunkula-Ablasses dar. Es besetzt ein in der Säkularisation verschollenes Orginal.

(Quelle: Info-Tafel in der Schloßkapelle Werneck)

 

 

Weitere Informationen siehe: - Wikipedia

 

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Schloss Molsdorf / Residenz Würzburg

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